Donnerstag, 14. Juni

Leider wird die gemütliche Kleinstadt im Norden von Kerry in den Reiseführern kaum erwähnt, und wenn dann nur im Zusammenhang mit der Burgruine oder dem Literaturfestival im Juni, denn Listowel gilt als Zentrum der irischen Literatur. Einer der berühmtesten Autoren und Dramaturgen Irlands, John Brendan Keane (1928-2002) hat hier gelebt. Das Schriftstellermuseum bietet viel Stoff zum Lesen und Erleben der Arbeiten von John B. Keane und anderen irischen Autoren.

kerrywritersmuseum.com

Die Stadt mit rund 4500 Einwohnern besitzt ein hübsches Straßenbild rund um den großen Marktplatz, direkt aus dem Stadtzentrum heraus führt der 1,5 km lange River Walk, der entlang des unbefestigten, naturnah gehaltenen Ufer des Flusses führt und unmittelbar hinter der Bogenbrücke zum Stadtpark führt.

In der irischen Eisenbahngeschichte hat Listowel eine Bedeutung, weil hier 1888 die weltweit erste kommerziell genutzte Einschienenbahn eröffnet wurde. Sie verband die Stadt Listowel mit dem 9 km entfernten Badeort Ballybunion. Erfinder war der Franzose Charles Lartigue, der in Algerien mit dem Problem konfrontiert wurde, dass der Wüstensand Eisenbahnschienen zudeckte. Er konstruierte daraufhin das erhöhte Gestell mit A-förmigem Querschnitt für eine Schiene. In Listowel ist während der Sommermonate eine Nachbildung der historischen Eisenbahn in Betrieb. Das Museum informiert über Entstehung und Nutzung der Einschienenbahn.

lartiguemonorail.com

In gleicher Richtung am Ortsausgang liegt der Famine Graveyard, Teampaillín Ban. Tausende armer Iren wurden hier anonym während der Hungerjahre zwischen 1845 und 1852 beerdigt. Wie viele Menschen verhungert sind und wie viele am Friedhof in Listowel vor der kleinen, weißen Kirche bestattet sind, weiß niemand, die Toten wurden nicht dokumentiert. Heute engagieren sich Ehrenamtliche um die den Erhalt und die Pflege der Grünfläche am Friedhof.

Ehrenamtlich werden auch die Blumenschalen, Kästen und Hängekörbe in der Stadt gepflegt. Listowel nimmt mit großem Eifer am landesweiten Wettbewerb „Tidy Town“ bei. Ab Mitte Juni sind die Juroren in den Städten Irlands unterwegs, da muss alles tipptopp sein.

 

 

Listowel liegt inmitten von Agrarland. Die Kühe, die fast ganzjährig auf der Weide stehen und somit immer Frischfutter erhalten, liefern Milch für die aromatische Kerry-Butter. Höchstens eine Viertel Autostunde entfernt liegt das Meer mit dramatischen Klippen und langen, breiten Sandstränden. Die Küste von Nord-Kerry gilt als „Hidden Gem“, ein Kleinod, das man auf dem North Kerry Way erwandern kann. Die fünf Tagesetappen beginnen in Tralee, dem Verwaltungszentrum von Kerry, führen am Strand von Banna vorbei und enden in einer Schleife westlich des Küstenstädtchens Ballybunion.

walkingroutes.ie/898-North-Kerry-Way.html

Strand von Ballybunion: Die Burgmauer war in der Vergangenheit einmal ins Meer gestürzt.

 

 

 

Stürmische Wellen stoßen an die Klippen.

 

 

 

 

Die See ist heute sehr aufgewühlt. Die rote Flagge weht am Banna Beach: Baden verboten.

Teile diesen Beitrag