Montag, 18. Juni

Der berühmte Bürgerrechtler und Politiker Daniel O’Connell (1775−1847) hatte auf Derrynane gelebt. Die Ausstellung im Herrenhaus erinnert an den Kämpfer für die Rechte der Iren und der Katholiken. Daniel O’Connell setzte sich für gleiche Rechte aller Menschen ein. Er engagierte sich gegen die Sklaverei und sprach sich für das Frauenwahlrecht aus, somit war er seiner Zeit weit voraus.

Daniel O’Connell wurde als ältestes Kind von zehn Geschwistern in der Nähe von Cahersiveen geboren. Der kinderlose Onkel nahm ihn und seinen Bruder Maurice auf und ließ beide in Derrynane erziehen. Der Onkel Maurice, Hunting Cap genannt, finanzierte die Schulausbildung in London und später das Studium in Paris. In Paris erlebte Daniel die französische Revolution mit, war aber über die Gewaltausschreitungen und das Blutvergießen entsetzt. Den Kampf um Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wollte er zuhause fortsetzen, folglich studierte er nach seiner Flucht aus Frankreich in London Jura. 1798 erhielt er seine Zulassung als einer der ersten katholischen Anwälte Irlands, er setzte sich für die Rechte der Iren ein. Nach den blutig niederschlagenen Aufständen hatten die Engländer 1800 die Herrschaft über Irland übernommen. Daniel O’Connell  wollte die Freiheit auf friedlichem Weg wieder erreichen. Er heiratete seine Cousine Mary, aus der Ehe gingen elf Kinder hervor. Die Sommermonate verbrachte Dan auf Derrynane. Er liebte das Landgut so sehr, dass er jedes Jahr den Aufenthalt immer wieder verlängerte und seine Rückreise nach Dublin möglichst weit in den Herbst verschob.

Erst nachdem der Onkel 1825 verstorben war, wird das Herrenhaus von Derrynane den damaligen Ansprüchen entsprechend renoviert und die ganze Familie bezog den neuen Wohnsitz.

 

In das Sommerhaus im verwachsenen Wald unmittelbar neben dem alten Ringfort zog sich der Hausherr und Politiker zum Arbeiten zurück.

 

 

 

 

 

Daniel O’Connell gründet die Catholic Association, er verteidigt Iren vor Gericht und berät gegen geringe Gebühr in rechtlichen Fragen. 1828 wird er zum Abgeordneten für das County Clare gewählt, kann aber sein Amt in London nicht antreten, weil er als katholischer Ire nicht den Eid auf den König leisten kann, denn der ist Oberhaupt der protestantischen Church of England. Nach langen politischen Diskussionen kommt es mit dem Catholic Emancipation Act von 1829 schließlich zu deutlichen Verbesserungen bei den Rechten der katholischen Bevölkerung.

1836 stirbt Mary und Daniel O’Connell wird häufig von Depressionen heimgesucht. 1841 wird Daniel O’Connell erster katholischer Oberbürgermeister von Dublin. Er gründet die Repeal Association mit dem Ziel eines sich selbst regierendes Landes. Die Bewegung für ein neues gesamtirisches Parlament wird immer entschlossener. Daniel O’Connell sagt im Dezember 1843 eine Demonstration in Dublin ab, aus Angst, es könne blutige Auseinandersetzungen geben. Er und seine Mitstreiter werden festgenommen und inhaftiert. Nach drei Monaten sehr kulanter Bewachung wird er freigelassen und zieht in einem Triumphzug durch Dublin. Die große schwarze Prunkkutsche, auf der Daniel O’Connell bei dem großen Ereignis fuhr, ist heute im Anbau an das Museum von Derrynane zu besichtigen.

Nach Konflikten mit den „Young Irelanders“ zog sich Daniel O’Connell aus der Politik zurück. Er starb an einem Gehirntumor in Genua, auf der Reise nach Rom zum Papst, wodurch er sich Heilung erhofft hatte.

Daniel O’Connell trägt den Beinamen The Liberator, er gilt als der Befreier Irlands. Die O’Connell Street in Dublin ist nach ihm benannt. Heute kann man nur darüber staunen, wie ein Bürgerrechler jenseits der Bergketten von Kerry aus die Geschicke des Landes beeinflussen konnte. Damals dauerte eine Reise nach Dublin sechs Tage. Vergeblich waren allerdings seine Bemühungen, in England Unterstützung für die irische Bevölkerung in den Hungerjahren ab 1845 zu erwirken.

Begraben ist Daniel O’Connell auf dem Friedhof von Glasnevin in Dublin, wo ihm zu Ehren als Monument ein großer Rundturm errichtet wurde. Vom Botanischen Garten in Glasnevin kann man direkt in den Friedhof übergehen. Geschulte Guides bieten Führungen über den Friedhof an und wissen spannende Geschichten über die dort Begrabenen zu erzählen.

 

 

 

Fürst Hermann von Pückler hatte auf seiner Irlandreise 1828 Derrynane besucht. Er berichtete davon, dass er im Herrenhaus eine Gruppe gebildete Menschen beim Gespräch angetroffen hatte und trotz seiner späten nächtlichen Ankunft wurde ihm ein reichhaltiges Essen mit erlesenen Zutaten serviert.

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