Holy Well im Park von Derrynane bei Caherdaniel

Keltisches Erbe ist in Irland an vielen Stellen präsent. Die früher keltischen Christen hatten ein harmonisches Verhältnis zu ihrer natürlichen Umgebung, die Natur war vom Göttlichen durchdrungen. An den Stellen heiliger Quellen war die Grenze zwischen dem weltlichen Dasein und dem Göttlichen durchlässig. Bis heute gibt es rund 3000 heilige Quellen in Irland, von denen spirituelle Engergie ausgeht.

 

In Bezug auf dem Aufruf von Papst Franziskus, für die Schöpfung zu beten, ruft die Initiative Loving Sister Earth am 18. Juni zum zweiten Mal zu einem Treffen zum Gebet an einer heiligen Quelle auf. Die Gruppe von Tralee und Umgebung trifft sich morgens um 7 Uhr vor der Heilquelle Tobar na Moltan.

http://lovingsisterearth.com

 

 

 

 

Frühmorgens liegen die Slieve Mish Mountains noch verhangen im Wolkennebel.

 

 

 

 

Treffpunkt ist die Weide in der Gemarkung von Ardfert, von der aus der Weg zur Heilquelle Tobar na Molt führt. „Tobar“ ist das gälische Wort für Quelle, „molt“ bedeutet Widder. Der Name geht zurück auf die Zeiten, als die Penal Laws Gültigkeit hatten, wodurch die Rechte der Katholiken stark beschränkt waren und katholische Messen verboten waren. Messen wurden damals an geheimen Plätzen abgehalten, so auch an der jetzt Tobar na Molt genannten Quelle. Die Legende erzählt, dass dort einmal eine Messe stattfand, als sich Soldaten mit ihren Bluthunden näherten. Der Priester sprang aus Angst ins Wasser und als die Meute an das Becken herankam, sprangen drei Widder heraus. Die rannten über die Weiden, die Bluthunde hinterher und die Soldaten hatten zu tun, die Hunde in meilenweiter Entfernung einzufangen. Daher der heutige Name.

http://www.megalithicireland.com/Tobar%20na%20Molt,%20Ardfert,%20Kerry.html

Vor der Quelle steht ein schlichtes Steinhaus, in dem früher Pilger übernachtet haben. Im Wasserbecken wurden einst Taufen durchgeführt, damals wurde der Täufling noch komplett untergetaucht. Zum Beispiel soll hier der heilige Brendan von Bischof Erk getauft worden sein.

 

 

 

 

Der Heilige Brendan und Bischof Erk sind auf dem verwitterten Altarstein auf der Wiese dargestellt. Der Legende nach sollte der Altar abtransportiert werden. Doch die Ochsen weigerten sich während des Zuges weiterzugehen und der Wagen brach zusammen. Die ansässigen Bewohner brachten den Altar zurück zur Quelle.

 

 

Zum Gebet an der Quelle treffen sich Menschen mit einem inneren Anliegen, etwa weil sie krank sind oder für Nahestehende Beistand erbitten wollen. Früher bezog sich der Bittgang auf eine gute Ernte. Am Treffpunkt beim Schild an der Straße wird ein kurzes Bittgebet zur Erhaltung der Erde gesprochen. Danach marschieren alle schweigend über die Weide zur Quelle, die Geräusche der Natur dringen ins Bewusstsein: das Gezwitscher der Vögel, die Tropfen des Regens, das Rauschen der Blätter.

An der Quelle lesen die einzelnen Teilnehmer abwechselnd die Strophen vom Blatt ab, der Chor antwortet mit „Lord, renew the face of the earth“.

 

 

 

Kristallklares Wasser wird aus der Quelle geschöpft zum Gedenken an Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Wasser haben.

Küste bei Derrynane

Wasserfall im Sheen Valley bei Bonane

 

 

 

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